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Vierte BKV-Änderungsverordnung

Die neuen Berufskrankheiten in der Berufskrankheitenverordnung

BK-Nummer 2115


Die BK-Nr. 2115 bezeichnet die fokale Dystonie als Erkrankung des zentralen Nervensystems durch feinmotorische Tätigkeiten mit hoher Intensität bei Instrumentalmusikern und -musikerinnen.


Fokale Dystonien gehören weder zu den peripher-neurologischen Erkrankungen (BK-Nrn. 2106 und 2113) noch zu den mechanisch bedingten Erkrankungen (zum Beispiel BK-Nr. 2101). Sie stellen ein eigenständiges Krankheitsbild der Basalganglien dar.[19] Die fokale Dystonie druckt sich primär durch den  - in der Regel schmerzlosen - Verlust der Koordinationsfähigkeit eines Körperteils aus.[20]

Eine Dystonie ist durch länger anhaltende unwillkürliche Verkrampfung der Muskulatur gekennzeichnet. Bei der fokalen Dystonie sind nur einzelne Körperteile betroffen.[2]1 Sie äußert sich durch einen zunächst schmerzlosen Verlust der Koordinationsfähigkeit der Muskulatur des Mundes, der Lippen und des Gesichts (orofaciale Muskulatur) oder einer Extremität wie etwa der Hand. Im fortgeschrittenen Stadium können die Symptome sogar auch bei ähnlichen Bewegungsabläufen im Alltag auftreten, wie beispielsweise beim Halten des Bestecks.[22]


Die fokale Dystonie entsteht arbeitsbedingt durch langjähriges, repetitives und intensives Musizieren auf professionellem Niveau. Ein solches Niveau ist nach der derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnislage in der Regel bei einem Orientierungswert von rund 10.000 Stunden erreicht. Ein nur gelegentliches Musizieren über viele Jahrzehnte hinweg verursacht das Krankheitsbild der fokalen Dystonie im Sinne dieser Berufskrankheit nicht.[23] Betroffen können Berufsmusiker und -musikerinnen sein, die aktiv oder ehemals aktiv Tasten- und Zupfinstrumente, Streich-, Holzblas- sowie insbesondere Blechblasinstrumente und Perkussionsinstrumente gespielt haben.[24] Häufig sind die betroffenen Personen nicht mehr in der Lage, ihre professionelle Tätigkeit auszuüben. Sie sind gezwungen, ihre Karriere zu beenden. Auch aufgrund der heterogenen Erfassung der Übungszeit in den der wissenschaftlichen Begründung zugrunde gelegten Studien, fehlt es an entsprechend gesicherten medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen für die Ableitung einer genauen Dosis-Wirkungs- Beziehung, sodass in der wissenschaftlichen Begründung nur Orientierungswerte genannt werden.[25]


Derzeit gibt es für Erkrankte mit fokaler Dystonie nur wenige und unzureichend wirkende Therapien, die keine zuverlässige und erfolgreiche Behandlung versprechen. Daher sind ein frühzeitiges Eingreifen bei ersten Anzeichen von Symptomen und geeignete präventive Maßnahmen von besonderer Wichtigkeit.

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