oben

Vierte BKV-Änderungsverordnung

Die neuen Berufskrankheiten in der Berufskrankheitenverordnung

Die Berufskrankheiten im Einzelnen


Für vier der neu formulierten oder ergänzten BK-Tatbestande (BK-Nrn. 1320, 1321, 4104, 4113) sind konkrete Dosis-Grenzwerte anhand der ausgewerteten Studienlage abgeleitet worden. Bei der fokalen Dystonie (BK-Nr. 2115) reichten die medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Ableitung einer konkreten Dosis hingegen nicht aus. Jedoch konnte die betroffene Personengruppe der Instrumentalmusiker und -musikerinnen sehr konkret umschrieben werden.

Nachfolgend werden die neuen Berufskrankheiten mit Bezug auf die Inhalte der wissenschaftlichen Begründungen kurz dargestellt.


BK-Nummer 1320


Unter die BK-Nr. 1320 fallen die chronischmyeloische und chronisch-lymphatische Leukamie.[10] Die akuten Formen der zuvor genannten Leukämien sind dagegen nicht Gegenstand dieser Berufskrankheit. 


Die Krankheitsbilder dieser BK entstehen durch eine Einwirkung von 1,3-Butadien über die Atemwege.[11] Eine solche Exposition kann arbeitsbedingt nicht nur bei der Herstellung von Butadien, sondern auch bei dessen Weiterverarbeitung bei der Herstellung verschiedener Kunstkautschuksorten sowie in der Kunststoffindustrie auftreten. [12] Damit können verschiedenste Gewerbezweige von einer arbeitsbedingten Exposition durch 1,3-Butadien betroffen sein, wie etwa die Automobilindustrie aufgrund der Verwendung von Gummimaterialien in der Herstellung von Autoreifen, Dichtmaterial, Antriebsriemen und Kabelummantelungen. Kunstkautschuk findet aber auch in der Produktion von Haushalts- und Konsumgütern, beispielsweise für Gehäuse von Elektrogeraten und Gummihandschuhen, sowie der Bekleidungsindustrie etwa für Schuhsohlen und Taucheranzuge Verwendung. In deren Herstellungsprozessen kann ebenfalls eine arbeitsbedingte Exposition durch Butadien auftreten. Ein weiterer gefährdeter und zunehmend wachsender Bereich betrifft die Fertigung von Kunststoffbauteilen mittels 3D-Druckverfahren. Dagegen hat 1,3-Butadien in Endprodukten keine Relevanz, da das Butadien fest vernetzt im Produkt vorliegt und nicht weiter austreten kann.


Für die Anerkennung als BK wird vom Verordnungsgeber im Berufskrankheiten-Tatbestand (BK-Tatbestand) ein kumulatives Dosismaß von mindestens 180 (ppm x Jahre) festgelegt.[13]


BK-Nummer 1321


Die BK-Nr. 1321 umfasst Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). PAK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl, also auch bei Waldbranden, Vulkanausbrüchen, der Ölforderung und beim Rauchen von Tabak. Daher ist jeder Mensch grundsätzlich einer umweltbedingten individuellen PAK-Belastung ausgesetzt. Beschäftigte können in der Arbeitswelt durch eine Vielzahl zusätzlicher PAK-Quellen gefährdet sein. Dabei stehen unter anderem die Herstellung von Koks und die Weiterverarbeitung des in den Kokereien anfallenden Steinkohlenteers im Mittelpunkt. Steinkohlenteer findet Verwendung in Teerraffinerien, in der Eisen- und Stahlerzeugung, in der Aluminium- und Elektrographitindustrie, im Straßenbau sowie im Dachdeckerhandwerk. Des Weiteren sind Schornsteinfegerinnen und -feger gefährdet, die beim Reinigen von Haus- und Industriekaminen sowie beim Auffegen des Kaminrußes einer Exposition durch PAK ausgesetzt sind. Der Kaminruß weist in Abhängigkeit von der Art des verwendeten Brennstoffs unterschiedliche Konzentrationen von PAK auf.[14] Als Leitkomponente für die Bestimmung der PAK-Belastung am Arbeitsplatz dient Benzo(a)pyren (BaP).[15]


Die Aufnahme von PAK erfolgt über die Atemwege und die Haut.[16] In den der wissenschaftlichen Begründung zugrunde liegenden Studien lag neben der Aufnahme von PAK über die Atemwege regelmäßig auch eine gewisse Hautresorption vor, ohne dass diese in den Studien gesondert ausgeführt und berechnet wurde. „Als konkurrierender Faktor für die Entwicklung von bösartigen Tumoren der Harnwege ist insbesondere Aktivrauchen von Tabakprodukten anzusehen.“ [17]


Für die Anerkennung einer BK-Nr. 1321 formulierte der Verordnungsgeber im Tatbestand anhand der Leitkomponente Benz(a)pyren einen Dosis-Grenzwert von einer kumulativen Benz(a)pyren- Dosis von mindestens 80 [(μg BaP/m3) x Jahre].[18]

« zurück [1] [2] [3] [4] [5] [6] weiter » « zurück zur Übersicht

„JWSL“ startet ins neue Schuljahr

| Bild: Jugend will sich-er-leben startet ins neue Schuljahr gestartet
Foto: JWSL
|

„Sicher hin und zurück“ – Gefährdungen erkennen, Wegeunfälle verhindern. Ohne Unfall zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule. 


Von Ulrich Zilz und Christian Pöller  


Mehr lesen

Leserservice

| Bild: |


Aboänderungen: Adresse, Ansprechpartner, Bezugsmenge, Probehefte

Mehr lesen

Autorenhinweise

| Bild: Autorenhinweise | Sie sind Fachautor und möchten Ihr Wissen im DGUV Forum einbringen? Dann werfen Sie einen Blick in unsere Autorenhinweise.

Mehr lesen