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„2015 sind 1,1 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen.  Der Großteil kommt aus Syrien  (50 Prozent), dem Irak (15 Prozent),  aus Afghanistan (11 Prozent) und den Balkanländern.“
Foto: DGUV/Dominik Buschardt

Herausforderung für die gesetzliche Unfallversicherung

Flüchtlingshilfe und Prävention

Die gesetzliche Unfallversicherung ist in vielen Lebensbereichen für Sicherheit und Gesundheit verantwortlich: bei der Arbeit, in Kita und Schule, im Ehrenamt. Damit ist sie auch mit der gesellschaftlichen Herausforderung konfrontiert, Flüchtlinge zu integrieren. Wo ist sie schon aktiv? Was kann sie tun?
Durch die Zuwanderung von Geflüchteten sind nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 2015 1,1 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen. Der Großteil kommt aus Syrien (50 Prozent), dem Irak (15 Prozent), aus Afghanistan (11 Prozent) und den Balkanländern. Wie viele Geflüchtete dauerhaft in Deutschland bleiben werden, ist unklar. Manche suchen hier bessere Chancen und Lebensbedingungen für sich und ihre Kinder, andere sind auf der Flucht vor politischer Verfolgung. Wieder andere wollen in ihr Heimatland zurückkehren, wenn sich die Situation dort beruhigt hat.

Wenn die Integration der Flüchtlinge gelingen soll, sind alle gesellschaftlichen Kräfte gefordert. Die gesetzliche Unfallversicherung bietet 79 Millionen Menschen Versicherungsschutz bei der Arbeit, in der Schule oder im Ehrenamt. Damit ist sie in vielen Lebensbereichen für Sicherheit und Gesundheit verantwortlich. Auch sie ist deshalb mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert. Welche Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit sind in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu beachten? Welche Hinweise zum Infektions- und Brandschutz sind wichtig? Was sollten ehrenamtliche Helfer und Helferinnen über ihren Versicherungsschutz wissen? Welche Unterstützung brauchen Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher im Umgang mit Flüchtlingskindern? Die Kultusministerkonferenz (KMK) geht davon aus, dass in den Jahren 2014 und 2015 bereits rund 325.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche in das deutsche Schulsystem aufgenommen wurden. Nur mit Bildung könne Integration gelingen, sagte Brunhild Kurth, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, 2015 und sprach von einer „Generationenaufgabe“.

Dieser Artikel wird sich im Folgenden aber nicht den Herausforderungen im Bildungsbereich widmen. Er geht vielmehr der ebenfalls zentralen Frage nach: Wie können Betriebe bei der Integration von Flüchtlingen unterstützt werden?

Gerade der Integration in den Arbeitsmarkt misst die Bevölkerung eine hohe Bedeutung zu. 84 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass es Flüchtlingen ermöglicht werden sollte, rasch eine Beschäftigung aufzunehmen. Wenn Asylsuchende und Flüchtlinge arbeiten dürfen und Arbeit finden, dann nützt das auch den Aufnahmegesellschaften: Der Staat gibt weniger für soziale Unterstützung aus und der soziale Zusammenhalt wird gestärkt – weil durch Arbeit häufig auch die Integration in die Aufnahmegesellschaft erleichtert wird. Arbeit ist zudem entscheidend für die menschliche Würde, sie erleichtert die Gesundung nach traumatischen Erlebnissen und sie ermöglicht finanzielle Unabhängigkeit.

Nach Angaben des BAMF sind 70 Prozent der Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gibt deren Zahl aktuell mit 460.000 an und rechnet für 2016 mit voraussichtlich weiteren 200.000 erwerbsfähigen Geflüchteten.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat im Dezember 2015 das Aktionsprogramm „Ankommen in Deutschland“ gestartet. Jede einzelne Industrie- und Handelskammer (IHK) in Deutschland setzt sich mit einem konkreten Aktionsplan für die Ausbildung, Qualifizierung und den Berufseinstieg von Flüchtlingen ein. In einer gemeinsamen Erklärung forderten im Januar 2016 die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) und der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) eine schnelle und konsequente Integration der Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit. Der ZDH rief zudem gemeinsam mit dem Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMFB) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) Anfang Februar 2016 die Initiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“ ins Leben. Immerhin ist mehr als die Hälfte der Flüchtlinge jünger als 25 Jahre.

In den Unternehmen besteht auch eine Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Institutes der deutschen Wirtschaft Köln (IW), unter mehr als 900 Geschäftsführern und Geschäftsführerinnen von Industrie- und Dienstleistungsfirmen. Demnach beschäftigen gut sieben Prozent der Unternehmen Flüchtlinge oder haben das in den vergangenen fünf Jahren getan. Weitere elf Prozent der befragten Firmen planen konkret, künftig welche einzustellen. Bei Betrieben, in denen bereits Flüchtlinge arbeiten, liegt dieser Wert sogar bei 40 Prozent. Zu ähnlichen Ergebnissen ist auch eine gemeinsame Befragung des Ifo Instituts mit Randstad Deutschland in mehr als 1.000 Unternehmen gekommen. Auch hier geben sieben Prozent der Personalleiter und Personalleiterinnen an, Geflüchtete bereits zu beschäftigen oder innerhalb der vergangenen 24 Monate beschäftigt zu haben. Ein Drittel der Unternehmen will zudem in diesem oder im nächsten Jahr Flüchtlinge einstellen. Bei Unternehmen, die bereits über Erfahrungen mit der Beschäftigung von Flüchtlingen verfügen, ist der Anteil mit 68 Prozent sogar doppelt so hoch. « zurück [1] [2] [3] [4] weiter » « zurück zur Übersicht

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